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"Werbemanager" der Kirche

 

Dekanatsreferent Theo Richter zu Besuch beim 12er Religionskurs Heimes

Hier klicken."Sind die Kirchen einfach nur zu groß gebaut oder warum sieht es jeden Sonntag immer so leer aus?"

Eine solche Frage könnte man sich heutzutage wirklich stellen, betrachtet man die sinkenden Zahlen der Kirchengänger. Grund dafür ist mangelndes Interesse. Die derzeitigen "Angebote" der Kirche reizen nur noch sehr wenige Menschen in Deutschland und das bereitet den Geistlichen zusehends Sorgen. Wen erreicht die Kirche in der heutigen Zeit wirklich noch und wie kann sie es schaffen, neues Interesse zu wecken? Mit diesen Fragen befasst sich die Sinus-Milieu Studie.

Im Gegensatz zu quantitativen Trendanalysen untersucht diese qualitativ ausgerichtete Studie die verschiedenen Lebensstile der Menschen, welche, eben auch namengebend für die Studie, als Milieus bezeichnet werden. Lebensstile - so die Einschätzung der Milieuforscher - seien entscheidender für die Alltagswirklichkeit der Menschen als die Differenzierung in Schichten.

Hier klicken.Der Dekanatsreferent Theo Richter war zu Besuch im Religionskurs der Jahrgangsstufe 12 von Herrn Heimes. Er referierte über die unterschiedlichen Milieus in Deutschland, deren typischen Merkmale und ihre unterschiedlichen Stellungen zur Kirche. Schockierendes Ergebnis war, dass die Kirche von 10 unterschiedlichen Milieus nur noch 2 bis 3 wirklich erreicht: Die Konservativen, Traditionsverwurzelte und die Bürgerlichen Mitte.

Um den Einstieg in die Arbeit des Sinus-Sociovision-Institutes zu erleichtern, präsentierte Herr Richter zum Anfang verschiedene Beispiele; eines bestand aus einem sehr anschaulichen Vergleich zwischen dem englischen Thronfolger Prinz Charles und Ozzy Osbourne. An Hand dieser simplen Gegenüberstellung wurde schnell klar, dass bei der Sinus–Milieu-Studie nicht nur die sogenannten „harten Fakten“, wie das Geburtsland oder das Alter gegenüberstellt werden, sondern vielmehr Dinge wie der individuelle Lebensstil, die Stellung in der Gesellschaft und die eigene Ideologie. So gibt es milieutypische Wohnzimmereinrichtungen oder Werbespots; die Vorführung dieser gehörte zu den Höhepunkten der gut zweistündigen Ausführungen des Dekanatsreferenten. Hier klicken.

Ein weiteres Kriterium zur Einordnung der verschiedenen Milieus ist die Einteilung der Wertvorstellungen eines Menschen; diese haben sich im Laufe Jahre immer wieder verändert. Aus diesem Grund ist es möglich, einzelne Werte einem bestimmten Jahrzehnt zu- zuordnen. Die beiden der Kirche noch zugewandten Milieus werden nach Richters Aussage dem konservativen Spektrum der 50er Jahre zugeordnet. Dazu im Gegensatz lässt sich wohl ein Großteil der Jungendlichen der Jahrgangsstufe 12 in den dritten Abschnitt einordnen. Hier stehen Neuorientierung und Experimentierfreude eher im Vordergrund als kirchlicher Beistand.

Dieser sehr interessante Einblick in die Sinus-Milieu-Studie weckte nicht nur das Interesse der Schülerinnen und Schüler, sondern gab auch sehr aufschlussreiche Erkenntnisse über die Sorgen und Probleme der modernen Kirche. Um mehr als nur 2 der 10 verschieden Milieus erreichen zu können, müsste Kirche zu einem Erlebnis werden und der Pfarrer den Entertainer mimen. Doch dann stellt sich die Frage, ob die Kirche bei einer solch radikalen Veränderung nicht ihre Authentizität verlieren würde. Oder im schlimmsten Fall sogar die angestammten Kirchgänger dem Gottesdienst fernbleiben würden.

Desweiteren möchten wir Euch noch zum Gottesdienst am letzen Schultag einladen. Abschließend möchten wir uns abermals bei Herrn Richter für seine Ausführungen bedanken.

 

Michael Mester & Tobias Müller